Kanu auf einem stillen Fließ im Spreewald, von Erlen gesäumt
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Spreewald mit dem Kanu — was du wirklich wissen musst

Paddeln im Spreewald ist leichter als gedacht. Und schwieriger, als die Tourismus-Broschüre behauptet.

Kanu Spreewald — die ehrliche Anleitung

Der Spreewald ist Brandenburgs bekanntestes Wasserziel. Jedes Jahr kommen Hunderttausende — die meisten sitzen in Kähnen, die von Fährleuten gesteuert werden. Das ist nett. Aber wer den Spreewald wirklich verstehen will, muss selbst paddeln.

Paddeln im Spreewald ist keine Extremsportart. Es ist langsames Fortbewegen auf flachem Wasser, durch eine Landschaft, die sich vom Boot aus anders zeigt als von jedem Weg. Aber es gibt Dinge, die man wissen sollte, bevor man einsteigt.

Kanu oder Kajak?

Die Frage klingt technisch, ist aber praktisch. Ein Kanu (offenes Boot, Stechpaddel) ist stabiler, geräumiger und verzeiht Anfängerfehler. Man sitzt höher, sieht mehr, kann Proviant und trockene Kleidung mitnehmen. Für den Spreewald die bessere Wahl.

Ein Kajak (geschlossenes Boot, Doppelpaddel) ist schneller und wendiger. Aber in den engen Fließen des Spreewalds ist Wendigkeit weniger wichtig als Stabilität. Und bei Anfängern kippt ein Kajak schneller als die Laune.

Wo starten

Lübbenau

Der Klassiker. Mehrere Verleihstationen direkt am Hafen, gute Anbindung mit dem RE2 ab Berlin (58 Minuten). Die Fließe südlich von Lübbenau Richtung Lehde sind die bekanntesten — und die vollsten. Wer hier paddelt, teilt sich das Wasser mit Kahnfahrten, anderen Kanus und gelegentlich einem SUP-Board.

Ehrliche Einschätzung: Gut für einen ersten Eindruck. Nicht gut für Ruhe.

Burg

Östlich von Lübbenau, weniger frequentiert. Die Fließe hier sind breiter, die Landschaft offener. Weniger pittoresk, aber auch weniger überlaufen. Ab Burg kann man Richtung Norden paddeln und ist nach einer Stunde in Gebieten, die kaum ein Tourist erreicht.

Ehrliche Einschätzung: Der bessere Startpunkt für alle, die Stille suchen.

Schlepzig

Nördlich, abseits der Hauptrouten. Schlepzig ist kleiner, ruhiger und hat Fließe, die sich anfühlen wie ein anderer Spreewald. Weniger Infrastruktur, weniger Verleihstationen, aber auch weniger Verkehr auf dem Wasser.

Ehrliche Einschätzung: Für Erfahrene und Stille-Suchende die beste Wahl.

Was man wissen muss

Schleusen

Der Spreewald hat handbetriebene Schleusen. Das bedeutet: Man paddelt heran, steigt aus, bedient die Schleuse selbst, fährt durch, steigt wieder aus und schließt sie hinter sich. Es gibt Anleitungen vor Ort. Es dauert zehn Minuten. Es ist Teil des Erlebnisses, nicht ein Hindernis.

Strömung

Fast keine. Die Fließe sind langsam, manchmal stehend. Das macht das Paddeln einfach, aber die Navigation schwierig — ohne Strömung weiß man nicht intuitiv, in welche Richtung es weitergeht. Eine wasserfeste Karte ist Pflicht.

Wetter

Der Spreewald ist ein Feuchtgebiet. Morgens liegt oft Nebel über dem Wasser. Nachmittags kann es im Sommer gewittern. Beides ist kein Grund, nicht zu fahren — aber ein Grund, eine wasserdichte Tasche mitzunehmen und das Wetter im Blick zu behalten.

Was man mitnehmen sollte

  • Wasserfeste Karte — die Spreewaldkarte im Maßstab 1:35.000 gibt es bei jedem Verleiher
  • Sonnenschutz — auf dem Wasser unterschätzt man die Reflexion
  • Wasser und Proviant — es gibt unterwegs kaum Einkaufsmöglichkeiten auf dem Wasser
  • Trockensack — für Handy, Geldbeutel, Wechselkleidung
  • Mückenspray — der Spreewald ist ein Feuchtgebiet, siehe oben

Was man lassen sollte

Musik. Ernsthaft. Die Geräuschkulisse des Spreewalds — Wasser, Vögel, Wind in Erlen, das leise Platschen des Paddels — ist besser als jede Playlist. Wer Bluetooth-Boxen aufs Wasser mitnimmt, hat den Sinn nicht verstanden.

Die Strecke für Anfänger

Lübbenau nach Lehde und zurück: circa drei Stunden, zehn Kilometer, keine Schleusen. Flaches Wasser, gut markiert, mit der Möglichkeit, in Lehde anzulegen und im Gasthaus zu essen. Danach weiß man, ob man mehr will.

Die meisten wollen mehr.

Die Strecke für Fortgeschrittene

Burg Richtung Norden, Tagesrundtour: sechs bis acht Stunden, zwei bis drei Schleusen. Man paddelt durch den Hochwald, wo die Erlen so dicht stehen, dass sie ein grünes Dach bilden. Im Sommer ist es dort kühler als an Land. Im Herbst liegt Laub auf dem Wasser. Es gibt Streckenabschnitte, auf denen man eine Stunde lang keinen Menschen trifft.

Das ist der Spreewald, den die Tourismus-Broschüre nicht zeigt. Und der, den man sich merkt.